Akademiebestand

Seit 2007 befinden sich auch die zuvor im Steiermärkischen Landesarchiv verwahrten Akten der Gründungszeit im Archiv der Kunstuniversität. Dieser Bestand umfasst Akten der allgemeinen Verwaltung (1958-1970/71), der Fachabteilungen (1963-1970/71) und der wissenschaftlichen Institute (1964-1970/71) und reicht bis ca. 1958 bzw.1945 (personenbezogener Aktenbestand) zurück.
Die Akten des unmittelbaren Rechtsvorgängers, des Steiermärkischen Landeskonservatoriums, befinden sich nach wie vor im Steiermärkischen Landesarchiv.
Von der Staatlichen Hochschule in Eggenberg (1939-1945) ist ein Matrikenbuch erhalten, das im KUG-Archiv verwahrt wird. Der Musikverein für Steiermark führt ein eigenes Archiv.

Aufarbeitung und Erschließung des Akademiebestandes wurden 2015 abgeschlossen und wir freuen uns auf unserer Homepage einen Einblick in das vorhandene Material geben zu können.

Grundlage für die Verzeichnung bietet ein Postbuch in zwei Bänden, das aus dem Präsidium der Akademie stammt und einen Aktenplan enthält.

Der Aktenplan orientiert sich an der damaligen Verwaltungsstruktur und seine Gliederung wurde in die neue Verzeichnung im KUG-Archiv als Systematik übernommen.

I – Verwaltung

II – Personalangelegenheiten

III – Allgemeiner Schriftverkehr

IV – Kurse, Lehrgänge, Seminare, Wettbewerbe

V – Konferenzen, Kongresse, Tagungen

VI – Veranstaltungen (Vorträge, Konzerte)

VII – Prüfungswesen

VIII – Kollegiumssitzungen

IX – Schriftverkehr in Schülerangelegenheiten

X – Studienbetrieb (Schul- und Unterrichtsbetrieb)

Im Landesarchiv wurde das Aktenmaterial in säurefreien Archivboxen, in der sich meist zwei oder drei sogenannte Hefte (in säurefreies Papier eingeschlagene und mit einer Signatur versehene Akten, rechtes Bild) befinden, verwahrt. Im KUG-Archiv werden nun alle Unterlagen durchgesehen, Eisen (also Büroklammern und Ähnliches) sowie auch Plastikrückstände entfernt. Das bearbeitete Material wird in neues säurefreies Papier eingeschlagen und erhält eine neue Archivsignatur.

So wird dafür gesorgt, dass die historischen Unterlagen auch in Zukunft nicht durch Rost oder Schimmelbefall zerstört werden und dass sie erhalten und eingesehen werden können.

Im Archivinformationssystem AUGIAS werden alte und neue Signatur, Systematikgruppe, Datierung, Titel und stichwortartig auch der Inhalt der Akten verzeichnet.

Ziel der Arbeit ist es, Datierung, Titel und Systematikgruppe Online (auf findbuch.net) zur Verfügung zu stellen, um allen Interessierten eine Vorrecherche zu einer Aufarbeitung der Geschichte der Kunstuniversität zu ermöglichen.

Um zielgerichtet Dokumente einzusehen und zu Forschungszwecken zu verwenden kann, nach einem vorangehenden Beratungsgespräch, das Archiv besucht werden. Die genaueren Aufzeichnungen im AUGIAS helfen, das Gesuchte noch besser zu finden.

Hauptsächlich bestehen die Akten aus maschinschriftlicher Korrespondenz, es finden sich aber auch Besonderheiten wie ein handschriftlicher Brief von Gottfried von Einem (1955), eine umfangreiche Zeitungsdokumentation aus der Abteilung Jazz (1969) und andere Dokumentengattungen wie Broschüren, Postkarten oder Formulare.

Weitere Beispiele aus dem Bestand, die wir hier exemplarisch in drei thematische Gruppen gegliedert haben, verdeutlichen die Relevanz der Unterlagen für jegliche historische Erforschung der Kunstuniversität. Durch die unterschiedlichen Dokumentengattungen, die ergänzt durch weitere Informationen aus anderen Beständen des Archivs zu einem vollständigen Bild beitragen können, ist der Akademiebestand eine wertvolle Quelle für eine geschichtliche Aufarbeitung diverser historischer Themenbereiche.

 

Studierendenangelegenheiten

Im Bestand finden sich grundlegende Dokumente für die Erforschung der Entwicklung der Studien an der KUG, wie beispielsweise Studierendenstatistiken. Hier ein Beispiel aus dem Jahr 1966, in dem sich die Gesamtzahl der Studierenden noch auf 659 belief.

Aber nicht nur Zahlen geben Aufschluss über das Studieren an der Akademie, sondern auch die Briefwechsel zwischen Studierenden und der Akademie, Unterlagen zu Aufnahme- und Prüfungsverfahren sowie Korrespondenz und Unterlagen der Österreichischen Hochschülerschaft.

Hefte mit Korrespondenz und diversen Unterlagen zur Österreichischen Hochschülerschaft bieten die Möglichkeit der historischen Erforschung dieser Institution die auch in den 60ern das Akademieleben beeinflusst hat. Als Beispiel dient hier eine Wahlbroschüre aus dem Jahr 1967.

Auch die Geschichte einzelner Institute und Studienrichtungen kann anhand der Unterlagen im Detail erschlossen werden: Beispielsweise die Entwicklung des Faches Regie, das bis in die Hochschulzeit angeboten wurde. Das Dokument zeigt eine Aufstellung der Haupt- und Pflichtfächer der Studienrichtungen Oper, Regie und Schauspiel aus dem Jahr 1963.

Ausbau und Entwicklung der Akademie

Die 60er Jahre waren für die heutige Kunstuniversität eine Zeit in der wichtige Neustrukturierungen und Auf- und Ausbaumaßnahmen stattfanden. So wurde beispielsweise 1965 die Expositur Oberschützen im Burgenland gegründet und Ende der 60er die Entwicklung zur Hochschule vorbereitet. Dies ist unter anderem in einer ausführlichen Denkschrift des Akademiepräsidenten Erich Marckhl aus dem Jahr 1969 dokumentiert, in der er über den Ausbau der Akademie in den Jahren 1971-1975 schreibt.

Wie an diesem Auszug aus der „Denkschrift“ ersichtlich, wurden auch Institute vorgesehen, die später nicht realisiert wurden.

Die Errichtung der Expositur stellt eine wichtige Erweiterung der Akademie dar, die im Bestand anhand unterschiedlicher Dokumentengattungen bezeugt ist:

Zeitungsartikel über die Eröffnung der Expositur 1965

Typoskript einer Prof. Schäffers anlässlich des 5-jährigen Bestehens

Aufstellung der personellen Besetzung der Expositur 1964/65

 

Aus den Instituten

Korrespondenz und Unterlagen aus den diversen Abteilungen und Instituten werden im Rahmen der Aufarbeitung des Akademiebestandes erschlossen. Zu den Inhalten zählen unter anderem finanzielle und personelle Belange, Korrespondenz zu Veranstaltungen, Tagungen und Kongressen, Studierendenangelegenheiten und teilweise informelle Korrespondenz aus den Instituten.

Als Beispiel führen wir hier die Einladung zur II. Internationalen Balkanologentagung – eine Veranstaltung die vom Institut für „Musikfolklore“ organisiert wurde – an, die für den Akademiestandort Graz mit Südosteuropa-Schwerpunkt von großer Bedeutung war.

Zahlreiche Institutsgründungen finden in den 60er Jahren statt, dazu zählen das Institut für Jazzforschung 1969, das Institut für Alte Musik 1966 und das Institut für Elektronik 1965/66. Zu allen Entwicklungen findet sich Quellenmaterial im Akademiebestand, wie beispielsweise ein Exposé zur Ausrichtung des Instituts für Jazzforschung.