Erich Marckhl und die Kunstuniversität Graz

In der Nachlasssammlung des Universitätsarchivs befindet sich auch der Teilnachlass des ersten Präsidenten der Akademie Erich Marckhl (1902-1980). Im Zuge der aktuellen Aufarbeitungs- und Erschließungsprojekte sollen Schriften aus dem Nachlass Erich Marckhls in einer Online-Edition zugänglich gemacht und in Hinblick auf ihre hochschulpolitischen, wissenschaftlichen und künstlerischen Positionen untersucht und kommentiert werden.

 

Marckhl, der als Landesmusikdirektor auch für alle öffentlichen steirischen Musikschulen mitverantwortlich war, hat sich zweifellos um den Neuaufbau des steirischen Musikschulwesens in hohem Maße verdient gemacht und maßgeblich zur Gründung, Entwicklung und künstlerisch-wissenschaftlichen Positionierung der Akademie für Musik und darstellende Kunst in Graz beigetragen. Zugleich zählt er zu jenen Vertretern des österreichischen Kunst- und Wissenschaftslebens, die ihre Laufbahn in den 1920er Jahren begannen, diese während der Zeit des austrofaschistischen „Ständestaats“ fortsetzten, im Nationalsozialismus hohe Positionen innehatten und nach 1945 in zum Teil sehr exponierten Stellen, ihre Kariere weiterführten. Wie schwer aus historiografischer Sicht der Umgang mit Biografien ist, die eine derartige Kontinuität über unterschiedliche politische Systeme hinweg aufweisen, wird auch am Beispiel Erich Marckhls deutlich.

Der im Universitätsarchiv verwahrte Teilnachlass enthält neben einem umfangreichen Typoskript mit (unveröffentlichten) „Lebenserinnerungen“ Marckhls Konzerteinführungen aus der ersten Hälfte der 1940er Jahre sowie diverse Reden und Vorträge mit den Schwerpunkten neue Musik und Musikpädagogik.

Mit der Aufarbeitung dieser Unterlagen kann, in Verbindung mit der Erschließung des ältesten Aktenbestandes der Akademie aus den Jahren 1963 bis 1971, erstmals ein wichtiger Beitrag zur Darstellung der Geschichte der KUG geleistet werden – der Geschichte einer Institution, die eng mit der allgemeinen musikalischen und kulturellen Entwicklung der Steiermark verknüpft ist. Durch die Fokussierung auf Erich Marckhl können einerseits institutionelle und personelle Kontinuitäten bis in die 1930er und 1940er Jahre zurückverfolgt werden. Auf der anderen Seite wird die Positionierung einer Kunsthochschule im wissenschaftlichen Bereich sichtbar, die unter der Leitung Marckhls eingeleitet und bis heute weitergeführt worden ist.