The Holy Grail of Jazz and Joy


Es war als großes Ereignis im „Steirischen Herbst“ 1985 geplant und scheiterte aus Naturschutzgründen: Die Welturaufführung von „The Holy Grail of Jazz and Joy“ am 28.10.1985.

Ein Jazzoratorium von George Gruntz nach Texten von Alfred Lord Tennyson, ein Auftragswerk für den „steirischen herbst" in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Graz.

Neben Ehrenmitglied Sheila Jordan und Karlheinz Miklin fand sich auch der (spätere) Weltstar Bobby McFerrin auf der Besetzungsliste. Als pittoresker Aufführungsort wurde die Lurgrotte, die berühmte Tropfsteinhöhle nahe Semriach, gewählt, doch die Beteiligten hatten die Rechnung ohne die Fledermäuse gemacht. Naturschützer fürchteten um die Grotten-Ökologie und sahen den Winterschlaf der „Flattertiere“ gestört. Es folgten heftige, zum Teil über die Medien geführte, Auseinandersetzungen zwischen den steirischen Naturschutzbehörden, Umweltschützern, der Hochschule sowie dem Präsidium des „Steirischen Herbst“. Fünf negative Gutachten von zoologischen, geologischen und botanischen Abteilungen von österreichischen Museen lagen vor, selbst der WWF schaltete sich in die Diskussion ein.

Besonders Kurt Jungwirth stand im Kreuzfeuer der Kritik.  Man warf ihm als Landesrat für Kultur und Natur und zugleich Präsident des „steirischen herbst" Kompetenzüberschneidung und Amtsmissbrauch vor und erwog Anzeige bei der Staatsanwaltschaft. Protestaktionen wurden angekündigt, zwei Bombendrohungen gingen ein, die Gendarmerie erschien in der Lurgrotte und verfügte die Einstellung aller Arbeiten und Proben. Einige der Musiker ließen sich von Naturschützern überzeugen und verließen das Orchester.

Am Ende einigte man sich auf ein klares "Jein!"
The "Holy Grail of Jazz and Joy" durfte doch in der Lurgrotte aufgeführt werden, aber zuhören und -sehen konnte dabei nur die Crew des ORF, die das Jazzoratorium für das Fernsehen aufnahm.