Neu im Universitätsarchiv

„Es ist die verstandeslose Lehrmethode des Lehrers Prelinger, welcher fast systematisch jede Stimme ruiniren muß,…“ Brief aus dem Jahr 1868 aus den Sitzungsprotokollen des Musikvereins für Steiermark.

Im Jahr 2013 wurde das Universitätsarchiv durch einen interessanten Neuzugang bereichert. Die Sitzungsprotokolle des Musikvereins für Steiermark aus den Jahren 1863 bis 1876 gelangten in das Archiv der Kunstuniversität Graz.

 

Der Musikverein für Steiermark wurde im Jahr 1815 von einer Gruppe Grazer Akademiker gegründet. Dem ersten Statut zufolge war die treibende Kraft bei der Entstehung des Musikvereins Johann Farbmann, Kurat der Grazer Stadtprobstei.

 

Besonders spannend ist ein Brief vom 26. November 1868, in dem ein besorgter Vater der Direktion mitteilt, seine Tochter Emma aus der Gesangschule des Vereins zu nehmen. Aber warum?


Der Lehrer Anton Prelinger, welcher von 1864 bis 1890 an der Schule des Musikvereins für Steiermark Gesang lehrte, war wohl für seine Schülerinnen eine richtige Herausforderung. So soll er jede Stimme systematisch ruinieren wollen, lässt die Mädchen beim Singen regelrecht schreien, und schickt sie sogar zum Tabak oder Speisen holen.

„Er kann sich auch die Achtung und Liebe seiner Zöglinge nicht erwerben, da er gegen sie roh, arogant und höhnisch benimmt, in der Schule Tabak raucht, die Kinder um Zigaren, Getränk u Speisen, ja sogar um seinen Puckl schikt, in der Schule besuche annimmt, und die Kinder nach Ablauf der Stunde wegschikt, ohne eine Uebung vorgenommen zu haben, u.s.w.“



Tranksription des Briefes

 

 

100 Jahre altes Plakat im Universitätsarchiv

2016 wurde die Plakatsammlung des Universitätsarchivs um 41 Plakate aus dem Nachlass von Hermann Ritter von Schmeidel (*20.6.1894 - 10.10.1953) erweitert.

Hermann Ritter von Schmeidel war Dirigent und Musikpädagoge. Er  wurde an der Schule des Musikvereins für Steiermark und später an der Wiener Musikakademie ausgebildet. 1933-38 leitete Schmeidel den Musikverein für Steiermark und das Konservatorium (Bach-Chor, Einführung der "offenen Singstunden") und war in dieser Zeit  auch Landesmusikdirektor für Steiermark.

 

 

Lit: StM/1962-66; Riemann 1961; DBEM 2003; [Kat.] Musik i. d. St. 1980; F-A 2 (1978); Müller-Asow 1929; MGÖ 3 (1995); www.salzburger-liedertafel.at (4/2009).

 

 

Statuten des Steiermärkischen Musikvereins von 1821

Ein aktueller Zugang im Universitätsarchiv ist ein Druck der Statuten des Steiermärkischen Musikvereins von 1821. Die Geschichte der heutigen Grazer Kunstuniversität reicht bis ins Jahr 1816 zurück, das Gründungsjahr der Schule des Musikvereins, zu der sich im Statut auch Regelungen finden.

In den Statuten sind Aufgaben und Ziele des Vereins festgehalten: neben „Vervollkommung der ausübenden Mitglieder“ ist „unentgeltlicher Unterricht der Jugend in der Tonkunst“  in § 3 als ein Mittel genannt, das dem Zweck der „Vervollkommung, Veredlung und Ausbreitung“ der Tonkunst dienen solle.

Im dritten, den Musikschulen gewidmeten Abschnitt, werden die Ziele im Detail benannt: „Verfeinerung des musikalischen Kunstsinnes“ und „ Vermehrung der Anzahl und höhere Ausbildung der musikalischen Kunstgenossen“. Vereinsmitglieder und deren Kinder hatten vorrangig Anspruch auf  Unterricht sowie „Individuen, welche bereits musikalische Vorkenntnisse besitzen“.

Bereits bei der Gründung des Musikvereins 1815 war ein Grundstatut beschlossen worden, das das Vereinsleben regelte. Es ist im Anhang der Chronik Ferdinand Bischoffs von 1890 abgedruckt. Laut Bischoff wurden die Statuten mehrfach abgeändert. Bereits im Juni 1815 war eine erste Revision erfolgt, eine weitere überarbeitete Version der Statuen lag Ende des Jahres auf Aufforderung der Regierung hin vor. Die staatliche Anerkennung erfolgte ein Jahr später, nachdem man die Statuten nochmals - unter zu Hilfe Nahme der Satzung der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien von 1814 - überarbeitet hatte. In dieser Version wurde unter anderem die „wohltätige Wirksamkeit“ des Vereins betont sowie das Ziel, durch Unterricht „den Kunstsinn zu fördern“ und auch der „verarmenden Kirchenmusik aufzuhelfen“. Als Hauptzweck  wurde "seine eigene und der musikalischen Jugend in Steyermark musikalische Bildung" genannt. Des Weiteren wurde  "als oberster Schutzherr bei dem Throne des Monarchen" ein "Protector" erbeten.

Vor der Genehmigung und dem Druck 1817 nahm man schließlich noch eine Änderung hinsichtlich der Trägerschicht des Vereins vor: Diese sollte nicht hauptsächlich aus Akademikern bestehen, wie bei der Gründung vorgesehen. Dementsprechend lautet der § 2 im Druck von 1821: "Der Verein besteht aus Gliedern aller Stände. Alle haben gleiche Rechte, gleiche Pflichten."

1819 – 1859 stand die Schule des Musikvereins unter dem Protektorat Erzherzog Johanns. Dass sich das heutige Hauptgebäude der Kunstuniversität  im Palais Meran befindet, jenem Haus, das Erzherzog Johann 1841-1843 für seine Familie erbauen ließ, erscheint als eine historisch passende Koinzidenz.

Die Weiterentwicklung des Vereins, die Erweiterung seiner Wirksamkeit und das Anwachsen der Mitgliederzahlen, ebenso wie das Protectorat Erzherzog Johanns verlangten eine neuerliche  Änderung der Statuten, die 1819 in Angriff genommen wurde. Die neuen Statuten wurden 1820 beschlossen und 1821 staatlich genehmigt.  Eine der wesentlichsten Änderungen bestand darin, dass nun „die Vervollkommnung und Erweiterung“ der Schulen als das „vorzüglichste Bestreben“ des Vereins angeführt wurde. Der Unterricht sollte nun allgemein unentgeltlich sein, und die Einnahmen einiger öffentlicher Konzerte der „Erhaltung und Erweiterung der Vereinsschulen“ zugute kommen. Der vorliegende Druck entspricht den 1821 genehmigten Statuten. Die nächste Änderung erfolgte laut Bischoff um die Jahrhundertmitte.

In der Handbibliothek des Universitätsarchivs  können Veröffentlichungen zur Geschichte der Musikvereinsschule konsultiert werden.  
Eine wichtige Quelle ist die bereits erwähnte anlässlich des 75jährigen Bestehens des Steiermärkischen Musikvereins 1890 von Ferdinand Bischoff verfasste Chronik. Sie ist im Universitätsarchiv in Kopie einzusehen.
Auch Schriften von Universitätsangehörigen beschäftigen sich mit der Geschichte des Musikereins und dessen Musikschule, wie beispielsweise die Festschrift „150 Jahre Musikverein für Steiermark“, verfasst 1965 von Harald Kaufmann, Musikpublizist und Gründer des Instituts für Wertungsforschung an der Akademie.
In der 1964 anlässlich der Erhebung des Landeskonservatoriums zur Akademie publizierten Festschrift ist der Artikel „Vergangenheit und Gegenwart: Aus der Geschichte der Schule des Steiermärkischen Musikvereins“ von Walther Wünsch enthalten. Wünsch, der ab 1968 an der Universität Graz Ethnologie unterrichtete, hielt an der Akademie eine Vorlesung zur Musikgeschichte ab.

© Universitätsarchiv der Kunstuniversität Graz, 2014